Tabuthema Abtreibung: Mythen, Fakten, Wissenswertes.

Tabuthema Abtreibung: Mythen, Fakten, Wissenswertes.



Es ist wohl der polarisierendste Teilbereich der Gynäkologie: Die Abtreibung, der Schwangerschaftsabbruch, scheidet die Geister und sorgt seit jeher für Diskussionsstoff. Wir wagen uns an die heikle Thematik und haben dir ein paar Fakten und Denkanstöße gesammelt. 

Abtreibung ist Mord. Abtreibung ist illegal. Schwere psychische Folgen. Schuldgefühle. Frauen, die sich gegen eine Schwangerschaft entscheiden, werden auch heute noch mit vielen Vorwürfen und einer geballten Ladung Angstmacherei konfrontiert. Die Thematik rund um den Schwangerschaftsabbruch zeigt immer wieder, dass wir zwar zahlenmäßig in einer modernen Zeit, denktechnisch aber manchmal noch im Mittelalter leben.

 

Sachlich betrachtet: Zahlen & Fakten

Abtreibung

Auch wenn es mehr als schwierig ist, transparente Zahlen anzufinden, so schätzten Experten die Anzahl der Abtreibungen in Österreich im Jahr 2013 auf 20.000 – 30.000 ein. Der größte Teil von ihnen wurde vor der 10. Schwangerschaftswoche durchgeführt. Bezahlt werden die Eingriffe meist privat, die Kosten können zwischen 250€ – 630€ betragen.

Es gibt drei Methoden des Schwangerschaftsabbruchs. Die gebräuchlichste ist das Absaugen des Fötus zwischen der 6. und 14. Schwangerschaftswoche. Die zweite ist das Ausschaben der Gebärmutter, jedoch wird diese Technik nur mehr sehr selten angewandt. Eine weitere Möglichkeit ist die Abtreibungspille, also der medikamentöse Abbruch. Dieser ist bis zur 9. Schwangerschaftswoche und nur unter ärztlicher Kontrolle erlaubt. Die “Pille danach” kann übrigens keine Abtreibung verursachen!

 

Mythen rund um die Abtreibung.

Abtreibung

Gibst du den Begriff “Abtreibung” in eine Suchmaschine ein, verschaffen dir die “verwandten Suchanfragen” schon ein ganz gutes Bild darüber, welche Sorgen damit verbunden sind. Wir haben ein paar davon unter die Lupe genommen und sind zu einigen Erkenntnissen gekommen.

Ein erhöhtes Brustkrebsrisiko?

Eine der größten Mythen rund um den Schwangerschaftsabbruch besagt, dass eine Frau nach einer Abtreibung eher gefährdet ist, an Brustkrebs zu erkranken. Das stimmt allerdings nicht. Bei einer Studie mit 1,5 Millionen Teilnehmerinnen konnte kein Zusammenhang zwischen Abtreibungen und einem erhöhten Brustkrebsrisiko festgestellt werden

Eine Abtreibung schränkt die Fruchtbarkeit ein.

Noch ein Lügenmärchen. Bei einem korrekt ausgeführten Eingriff setzt der Eisprung meist nach ca. 2 Wochen wieder ein. Kommt es zu Geschlechtsverkehr und wird nicht verhütet, kann die Frau theoretisch sofort wieder schwanger werden. Die Abtreibung spielt keine Rolle.

Der Fötus empfindet Schmerzen.

Wird gegen Abtreibungen demonstriert, spielen Emotionen natürlich mitunter die größte Rolle. Was könnte eine junge Frau auch mehr verunsichern, als ihrem ungeborenen Kind Schmerzen zuzufügen? Sachlich ausgedrückt gibt es dazu nur eines zu sagen: Föten reagieren zwar auf Reize, die Schmerz-Empfindung entwickelt sich allerdings erst in der späteren Schwangerschaft. Bis zum dritten Semester haben sie außerdem noch kein Bewusstsein. Ein früher Abbruch stellt für den Fötus keinerlei Schmerzen dar.

Psychische Folgen?

Eines soll an diesem Punkt vorneweg gesagt werden: Uns ist bewusst, in manchen Bereichen gibt es kein eindeutiges Richtig oder Falsch. Es kann nicht verallgemeinert und pauschalisiert werden. Gerade weil jede Frau sich von der anderen unterscheidet, ihre Wertvorstellungen und ihr Umfeld so anders sind.

Bei einer frühen Abtreibung, guter Beratung und einem unterstützenden Umfeld muss der Schwangerschaftsabbruch allerdings nicht zwingend psychische Schäden verursachen. Studien haben gezeigt, dass Frauen, welche schon eine Abtreibung hatten, nicht häufiger an seelischen Problemen leiden, als Frauen, die eine ungewollte Schwangerschaft ausgetragen haben. Und auch nicht gegenüber der Gesamtheit aller Frauen. Natürlich kann man auch hier nicht alle Fälle in einen Topf werfen. Schließlich spielt es eine viel zu große Rolle, wie es zu der Schwangerschaft gekommen ist, ob die Frau schon mehrere Abbrüche hatte, bereits vorher psychische Probleme vorhanden waren und und und. Die Abtreibung alleine stellt meist die kleinste Hürde dar.

 

Wir sind auch nur Menschen.

Abtreibung

Dieser Artikel liefert keine Antwort darauf, was korrekt und was nicht korrekt ist. Er soll ein kleiner Wegweiser sein und das Thema offen behandeln. Es heißt immer, Journalismus sollte objektiv und niemals subjektiv sein. Jedoch steht hinter jedem Artikel ein Mensch, der schlichtweg eine persönliche Meinung hat und gerade bei einem Thema dieses Schwierigkeitsgrades kann es passieren, dass manchmal die subjektive Einstellung durchschimmert.

Nein, wir sind keine Moralapostel und finden, niemand außer die betroffene Frau selbst, kann die Situation einer ungewollten Schwangerschaft beurteilen. Religion, Moral und Ethik können, unserer Meinung nach, in solchen Punkten hinten angestellt und die individuelle Lage in den Vordergrund gerückt werden. Schließlich handelt es sich nicht nur um das Leben des ungeborenen Kindes, sondern auch um das der schwangeren Frau.

Wenn es eine konkrete Lösung der Thematik gibt, dann würden wir diese in einem transparenten Zugang sehen. Abtreibungen dürfen kein Tabuthema mehr und Verhütungsmittel sollten auf der ganzen Welt für alle Menschen zugänglich und leistbar sein. Dass das Verbot eines Schwangerschaftsabbruchs nicht zielführend ist, zeigt in vielen Ländern der Schwarzmarkt. In ihrer Not greifen Frauen zu gefährlichen Mitteln – seien dies unseriöse Medikamente oder der billige und schlampige Eingriffe. Und niemand, egal ob Abtreibungs-Gegner oder Befürworter, sollte diese Methoden gutheißen und nachts noch ruhig schlafen können.



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