Erfahrungsbericht zum FH Campus Wien Studium: 2/5

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Architektur Green Building

Green Building – Green Washing Ursprünglich wollte ich eine ausführliche Rezension schreiben, doch aufgrund der akuten Dringlichkeit der Bewerbungsphase wurden viele Negativpunkte gar nicht erwähnt und nur auf eine Handvoll Themen eingegangen. Der (Master)Studiengang Architektur "Green Building" an dieser Hochschule ist nicht nur komplett überfordert mit sich selbst, unorganisiert und unterfinanziert, sondern zusätzlich noch extrem dürftig ausgerüstet, was ein ordentliches Studieren nahezu unmöglich macht - von der enorm unterdimensionierten Werkstatt, deren knapp 30 m² sich alle Jahrgänge teilen müssen, bis hin zu nicht vorhandenen Arbeits- oder Lernräumen. Auch das Gebäude selbst ist für jeden, der nachhaltige Architektur schätzt, ein absoluter Albtraum und ich selbst war etwas erschrocken als ich zum ersten Mal davorstand. Das Department für „Architektur Green Building“ ist in einem Container-Bau untergebracht, dessen Außengestaltung sich auch im Inneren widerspiegelt: Starre, kühle Klassenzimmer mit dominanter Plastikmaterialität und fehlende Räumlichkeiten für Zusammenarbeit und Austausch sind entmutigend und nicht förderlich für die Entfaltung der Kreativität. Überdies propagiert die restliche Hochschule zwar einerseits überall Nachhaltigkeit, baut aber andererseits die aktuelle Campuserweiterung ganz aus Stahlbeton, wird unter anderem von Nestle und Baugiganten finanziert, und ist an Heuchelei somit kaum zu überbieten. Wer eine Hochschule sucht, die Nachhaltigkeit auch lebt, ist hier fehl am Platz. Im Curriculum des Masters Green Building fehlt das Gesamtkonzept und genauso wahllos lehren die Vortragenden. Die Inhalte erscheinen teils einfalls- und ziellos und sind zudem nicht abgestimmt mit den Inhalten anderer Fächer, weswegen sich vieles wiederholt. Außerdem ist die Rolle des „Green Buildings“ in einigen Fächern etwas fragwürdig, z.B. wenn wir uns mit der Ausführung von Shopping Malls beschäftigen. Die Einschätzung einzelner Lehrbeauftragten über den Arbeitsaufwand ihres Faches ist oft völlig daneben, sodass man für z.B. 1 ECTS Fächer den Aufwand von mindestens 2-3 ECTS reinstecken muss, um eine halbwegs brauchbare Leistung zu erzielen. Manche Lehrende sind im Gespräch offen für Veränderungen in ihren Fächern, andere weisen alle Schuld von sich und belasten somit die kommenden Semester mit den gleichen Problemen. Eben jene 1-ECTS-Fächer sind ebenfalls ein wichtiger Kritikpunkt, denn ihre Existenzberechtigung ist mehr als fragwürdig. Ein Mastersemester beinhaltet z.B. 14 Fächer, wovon 7 Fächer nur einen ECTS zählen, weshalb man nie wirklich in die Tiefe der Thematik gehen kann. Durch die Vielzahl der „Nebenfächer“ ist es kaum möglich, sich auf die einzelnen Aufgabenstellungen zu fokussieren, da sonst die vielen Deadlines nicht schaffbar wären – die Wochenenden benötigt man ohnehin für den fehlkalkulierten Aufwand der Lehrenden. Dieses Studium gibt den Studierenden keine Luft zum Atmen und das Herumprobieren und spielerische Experimentieren - absolut essentiell im Architekturstudium - fehlt an dieser Hochschule fast immer, weil weder Zeit noch Raum zur Verfügung gestellt wird. Der Lehrbetrieb hat eine Art Bulimie-Lernen zur Folge, wo hohl, oberflächlich und in größter Eile Aufgaben abgearbeitet werden, ohne tatsächlich einen Lernfortschritt zu erlangen. Es gibt zwar Fächer wie „Entwerfen“, aber aufgrund der vielen anderen Fächer gehen diese eher unter - dementsprechend lernt man über das Entwerfen selbst sehr wenig. Ich will nicht leugnen, dass viele Inhalte eine nachhaltige Architektur gut beschreiben, jedoch ist teilweise auch viel Greenwashing dabei, oder die Lehrbeauftragten haben einfach keine Ahnung von ihrem Fach. Für viele ist es sicherlich schade um die Zeit, denn an den meisten Hochschulen und Universität ist das Masterstudium der Architektur eine wertvolle Zeit, wo stressige Phasen zwar dazugehören, aber nicht der Dauerzustand sind. Ich habe es nie zuvor erlebt, dass Leute im Architekturstudium wegen Burnout aufhören müssen, wie es z.B. einem von uns passiert ist. Was definitiv nachhaltig an dieser Hochschule ist, ist die mentale Belastung, die man mit in die Freizeit und die Ferien nimmt. Ausruhen ist dann ebenfalls schwierig, z.B. gehen die Ferien zwischen WS und SS gerade einmal 2 Wochen. Ich rate Bewerbenden sich die Sache zweimal zu überlegen, am besten mit Studierenden selbst zu sprechen und sich ein eigenes und vollständiges Bild des Lehrbetriebs zu machen. Hätte ich das gemacht, dann hätte ich nicht angefangen hier zu studieren. Es gibt eine Vielzahl von Masterstudiengängen im deutschsprachigen Raum, die eine Vertiefung in ökologischer Architektur anbieten (z.B. Uni Wuppertal, KIT, Uni Kassel, FH Bern, Kunstuni Linz ...), welche höchstwahrscheinlich besser ausgebaut sind. Es könnte sein, dass der Master an unserer Hochschule irgendwann eine gute Ausbildung bietet, leider ist das aber noch nicht der Fall, und ich habe große Zweifel, dass sich in den nächsten fünf Jahren viel ändern wird, trotz mühevollen Versuchen eines durchaus fähigen und sympathischen Studiengangleiters.

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Bewertungsdetails

Studieninhalte
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Dozenten
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Lehrveranstaltungen
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Ausstattung
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Organisation
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Bibliothek
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Digitales/Distance Learning
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Gesamtbewertung
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