{"id":3764,"date":"2015-11-02T10:36:05","date_gmt":"2015-11-02T09:36:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.iamstudent.at\/blog\/?p=3764"},"modified":"2020-12-04T14:54:08","modified_gmt":"2020-12-04T13:54:08","slug":"interview-tagespresse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.iamstudent.at\/blog\/interview-tagespresse\/","title":{"rendered":"Kaffeekr\u00e4nzchen mit Fritz Jergitsch (Die Tagespresse)"},"content":{"rendered":"<p>Er hat jeden von uns schon mindestens einmal zum Schmunzeln gebracht oder sogar f\u00fcr einen 10-min\u00fctigen Lachanfall gesorgt. Die Artikel der Tagespresse geh\u00f6ren f\u00fcr viele mittlerweile zur Pflichtlekt\u00fcre. Wir haben den Mann dahinter, Fritz Jergitsch, f\u00fcr dich getroffen.\u00a0<!--more--><\/p>\n<p>Um kurz vor 14:00 Uhr stehe ich vor dem vereinbarten Caf\u00e9. Punktgenau schlendert ein junger Mann mit blauer Kapuzenweste in meine Richtung. Fritz Jergitsch ist 24 Jahre alt, hat in Holland studiert und ist derjenige, der die Tagespresse ins Leben gerufen hat. Er bestellt Tee. Auf meine Frage, ob er keinen Kaffee mag, antwortet er l\u00e4chelnd: \u201eIch habe heute schon so viel Kaffee\u00a0getrunken, ich muss aufpassen, dass ich keinen Schlaganfall krieg.\u201c<\/p>\n<p><img decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-3835 size-full\" src=\"https:\/\/iam-blog.gumlet.io\/blog\/wp-content\/uploads\/2015\/11\/IMG_5332-e1446453906414.jpg\" alt=\"IMG_5332\" width=\"650\" \/><\/p>\n<h4><em>Erz\u00e4hl uns doch bitte zu Anfang kurz wie die Tagespresse entstanden ist. <\/em><\/h4>\n<p>Ich war immer ein gro\u00dfer Fan vom Postillon und habe irgendwann gemerkt, dass so etwas in \u00d6sterreich einfach fehlt. Dann hab ich mich kurzerhand selbst hingesetzt. Ich habe schnell gemerkt, dass es mir Spa\u00df macht und ich das \u00f6fter machen k\u00f6nnte. Ich habe mich am Postillon orientiert aber das Konzept auf die Spitze getrieben, indem ich in jeder Facette komplett ernst geblieben bin. Au\u00dferdem habe ich versucht ein sehr seri\u00f6ses Layout aufzuziehen und damit bin ich dann im Mai 2013 online gegangen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><em>Hast du einen Lieblingsartikel oder ein Lieblingsressort?<\/em><\/h4>\n<p>Die Ressorts sind bei uns eigentlich ziemlich wurscht. Sie dienen im Prinzip nur dazu, die Imitation und das Bild eines seri\u00f6sen Nachrichtenmagazins aufrecht zu erhalten.<\/p>\n<p>Mein Lieblingsartikel war wahrscheinlich eh jener, der am besten gegangen ist:\u00a0<a href=\"http:\/\/dietagespresse.com\/brief-lag-jahrelang-auf-postamt-herum-aufnahmebestaetigung-der-kunst-uni-erst-jetzt-adolf-hitler-zugestellt\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">\u201eBrief lag jahrelang auf Postamt herum: Aufnahmebest\u00e4tigung der Kunst-Uni erst jetzt an Adolf Hitler zugestellt\u201c<\/a>. Der Artikel war von J\u00fcrgen, von meinem Co-Autor, und wurde 1,2 Millionen mal angeklickt. Das ist unser bester Artikel bis jetzt gewesen. Als er mir die Headline vorgeschlagen hat bin ich erst mal ein paar Sekunden mit offenem Mund dagesessen, weil das so ein unglaublicher Gedanke ist. Deswegen ist das wahrscheinlich mein pers\u00f6nlicher Lieblingsartikel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><em>Was bedeutet die Tagespresse f\u00fcr dich?<\/em><\/h4>\n<p>F\u00fcr mich ist es mittlerweile ein Vollzeitjob, aber einer der Spa\u00df macht. Ich f\u00fchre ein sehr surreales Leben, die meisten Leute in meinem Alter studieren oder arbeiten schon. F\u00fcr mich ist es zwar ein Job, aber es ist eben ein sehr lockeres Leben. Ich stehe in der Fr\u00fch auf und das erste was ich mache, ist mal einen Artikel online zu stellen. Das Ganze macht mir Spa\u00df, also es ist eine angenehme Mischung aus Hobby und Beruf.<\/p>\n<p>Ich kann auch von der Tagespresse leben. Wir haben unsere Werbeanzeigen und durch die vielen Klicks, die wir auf Facebook generieren, k\u00f6nnen wir mit der Werbung auch relevante Ums\u00e4tze machen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><em>Woher beziehst du deine Themen? Wie kommt es dazu, dass du dir denkst: \u201eDar\u00fcber muss ich schreiben!\u201c <\/em><\/h4>\n<p>Aus den Medien. Ich verfolge die momentanen Ereignisse und \u00fcberlege mir eine lustige Geschichte dazu. Als Satiriker will ich prim\u00e4r unterhalten, aber auch Missst\u00e4nde aufzeigen. Das hei\u00dft ich muss immer Themen finden, die in meinen Augen zu kritisieren sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><em>Man hat ja mittlerweile das Gef\u00fchl, dass sich die angesprochenen Personen oder Unternehmen dar\u00fcber freuen, in euren Artikeln aufzutauchen. Wenn wir beispielweise an Vapiano und das \u201eselber abwaschen denken\u201c. <\/em><\/h4>\n<p>Ja nat\u00fcrlich. F\u00fcr Vapiano war der Artikel auf den ersten Blick negativ aber auf den zweiten Blick muss man sich \u00fcberlegen, was dieser satirische Artikel transportiert. N\u00e4mlich, dass du bei Vapiano ein neues Gastronomie-Konzept erlebst, bei dem du ein bisschen mehr selbst machst aber daf\u00fcr auch weniger bezahlst. Und diesen Grundgedanken haben wir einfach bis ins Absurde \u00fcbertrieben. Satire funktioniert eben so. Entweder du reagierst mit Humor darauf oder gar nicht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><em>Auf der Website, wird erkl\u00e4rt, falls man sich pers\u00f6nlich angegriffen f\u00fchlt kann man sich melden und es wird in Erw\u00e4gung gezogen, eine Ab\u00e4nderung vorzunehmen. Ist das jemals passiert? <\/em><\/h4>\n<p>Ein einziges Mal. Da hab ich es auch nachvollziehen k\u00f6nnen und den Artikel abge\u00e4ndert. In dem konkreten Fall war es so, dass die Person erst seit kurzem im Rampenlicht gestanden ist. Ich habe verstanden, dass sie nicht damit umgehen konnte, auf diese Art und Weise satirisch angegriffen zu werden.<\/p>\n<p>Ich denke aber es kommt so gut wie nie vor weil wir eigentlich darauf achten, nicht unter die G\u00fcrtellinie zu gehen, wir sind kein R\u00fcpelmagazin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><em>Wie weit darf, deiner Meinung nach, Satire gehen? <\/em><\/h4>\n<p>Man kann keine richtige Grenze aufzeigen. Satire muss immer einen gewissen Gehalt haben und immer lustig sein. Sie sollte aber nicht grundlos provozieren ohne irgendetwas aufzuzeigen. Solang die, sagen wir mal, Zielperson es verdient hat, kann die Satire ruhig walten \u2013 innerhalb von gewissen Freiheiten nat\u00fcrlich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><em>Wo w\u00e4rst du jetzt, wenn du die Tagespresse nicht h\u00e4ttest? <\/em><\/h4>\n<p>Schwer zu sagen. Ich h\u00e4tte, glaub ich, versucht bei einer PR-Agentur zu arbeiten. Vielleicht w\u00e4re ich Social Media Manager oder w\u00fcrde einen Master in Politik machen. Das war mein urspr\u00fcnglicher Plan. Ich wollte nach dem Bachelor ein Jahr arbeiten und dann einen Master machen. Dann ist mir die Tagespresse mehr oder weniger dazwischen gekommen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><em>K\u00f6nntest du dir vorstellen, die Tagespresse irgendwann mal abzugeben?<\/em><\/h4>\n<p>Ja schon. Ich bin nat\u00fcrlich emotional mit der Tagespresse verbunden, aber wenn ich irgendwann mal merken w\u00fcrde, ich habe nicht die Energie das so weiter zu betreiben, w\u00fcrde ich sie abgeben. Fr\u00fcher oder sp\u00e4ter werde ich sicher etwas anderes machen wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><em>Wie oft liest du dir einen Artikel durch, bis du dir denkst: &#8220; Jetzt ist er fertig!&#8220;?<\/em><\/h4>\n<p>Also meistens ist es so, dass ich den Artikel abends zugeschickt bekomme oder selber schreibe. Am n\u00e4chsten Tag suche ich ein Foto, dann gehe ich nochmal zur\u00fcck zum Artikel und \u00e4ndere die Schriftart in Comic Sans. Das ist ein kleiner kognitiver Trick. Dann glaubt dein Gehirn, es liest einen neuen Text und du liest ihn mit neuen Augen. Du siehst viel besser spr\u00f6de Formulierungen oder Rechtschreibfehler.<\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<h4><em>Hast du manchmal Angst, nicht lustig genug zu sein?<\/em><\/h4>\n<p>Also es kommt schon vor, dass die Leute sagen: \u201eHe, der Artikel war echt nicht witzig.\u201c Aber das passiert zum Gl\u00fcck immer seltener. Wie ich begonnen habe, war es oft so, dass nur jeder vierte Artikel gut gegangen ist. Dann irgendwann ist nur jeder vierte nicht gut gelaufen. Aber das \u201eab und zu daneben hauen\u201c geh\u00f6rt einfach dazu.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<h4><em>Es kommt eben auf den Geschmack an.<\/em><\/h4>\n<p>Ja genau. Teilweise passiert es mir, dass mir jemand sagt: \u201eFritz, der ist Artikel genial!\u201c Und ich denke mir: \u201eWas wirklich? Gerade der?\u201c<\/p>\n<p>Ein anderes Mal ist es dann wieder umgekehrt. Da finde ich pers\u00f6nlich den Artikel richtig geil, lache mich halbtot und der l\u00e4uft dann aber nur mittelm\u00e4\u00dfig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fritz Jergitsch ist das beste Beispiel daf\u00fcr, dass man einerseits zu seiner Meinung stehen und sie auch verbreiten kann aber deswegen nicht gleich ein Platzhirsch sein muss, der sie jedem aufdr\u00fccken m\u00f6chte. Ein Mensch mit politischer Meinung, der sich \u00fcber gewisse Dinge \u00e4rgert aber trotz gro\u00dfer Aufmerksamkeit kein bisschen abgehoben ist.<\/p>\n<p>Last but not least m\u00f6chten wir dich auf die neue <strong>App der Tagespresse<\/strong> aufmerksam machen. Also schnell f\u00fcr <a href=\"https:\/\/play.google.com\/store\/apps\/details?id=com.dietagespresse.tagespresse&amp;hl=de\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Android<\/a>, <a href=\"https:\/\/itunes.apple.com\/at\/app\/tagespresse\/id1049317719?mt=8\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">iPhone oder iPad<\/a> downloaden, dann kannst du Unterhaltung mobil und rundum die Uhr genie\u00dfen. Ein kleiner Lachanfall im Zug hat noch niemandem geschadet. Ende November gibt\u2019s dann auch das neue Buch f\u00fcr die Print-Fans, die gerne mal etwas anderes als ihr Smartphone in den H\u00e4nden halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div style='text-align:center' class='yasr-auto-insert-visitor'><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Er hat jeden von uns schon mindestens einmal zum Schmunzeln gebracht oder sogar f\u00fcr einen 10-min\u00fctigen Lachanfall gesorgt. 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